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Wer Kirchenbücher abschreibt, hat am Ende Tabellen: eine Zeile je Taufe, Trauung und Begräbnis. famrecon macht daraus Familien, Person für Person, mit Fundstelle und Begründung an jeder Verbindung. Was nicht eindeutig ist, bleibt offen und kommt in eine Prüfliste.
Leistung
Der gesamte Bestand des Kies'schen Familienarchivs, fast 242.000 Kirchenbucheinträge aus 32 Pfarreien im Zabergäu und am Stromberg, wurde in 25 Minuten rekonstruiert – lokal auf einem gewöhnlichen Desktop-Rechner, ohne künstliche Intelligenz und ohne Cloud. Alle 32 Läufe liefen ohne Abbruch durch.
Das Programm läuft auf dem eigenen Rechner, ohne Dienst im Netz. Jeder Lauf ist reproduzierbar: Gleiche Tabellen ergeben das gleiche Ergebnis, Verbindung für Verbindung nachprüfbar.
Ein einzelnes Dorf im Detail. Die Kirchenbücher von Cleebronn im Zabergäu, abgeschrieben von Dr. Otfried Kies, umfassen 250 Jahre. famrecon hat die Tabellen ohne Anpassung am Programm gelesen und auf einem gewöhnlichen Desktop-Rechner verknüpft.
Für ein Ortsfamilienbuch heißt das: Die Fleißarbeit, jede Taufe der richtigen Familie zuzuordnen, erledigt die Rechnung. Der Autor entscheidet nur noch die Fälle, die wirklich offen sind, und sieht bei jeder Verbindung, warum sie gezogen wurde.
Eine zweite Meinung zu bestehenden Familienbüchern. famrecon kann eine vorhandene Rekonstitution gegenlesen. Am Kies-Archiv hat es Verbindungen gezeigt, die dort fehlten:
Diese Befunde flossen in das Archiv zurück. Über alle 32 Pfarreien stehen seitdem 2.318 Verstorbene mehr an ihrer Taufe, und die Widersprüche zwischen Sterbealter und Taufe sanken von 47 auf 17. Jede Abweichung zwischen zwei Rekonstitutionen ist eine Frage an beide, und die Antworten lassen sich zählen.
Für jeden, der Register in Tabellen hat. Jeder Autor führt seine Tabellen anders. famrecon schlägt die Zuordnung der Spalten selbst vor, aus Überschriften und Beispielwerten, mit Sicherheitsgrad je Spalte. xlsx mit mehreren Blättern, mehrere Dateien oder CSV gehen gleichermaßen. Das ersetzt den alten Weg über Tabellenkalkulations-Makros: ohne Excel-Lizenz, in Minuten statt Tagen.
Verfahren
Rechnung nach festen Regelnbewusst offen gelassenEntscheidung von Hand
Nicht raten. Passen zwei Personen gleich gut, oder spricht ein Veto gegen einen sonst passenden Kandidaten, bleibt der Fall offen. Er landet in der Prüfliste mit allen Kandidaten und ihren Belegen. Wer die Register kennt, entscheidet dort oder in einer Excel-Tabelle, und das Urteil gilt bei jedem weiteren Lauf.
Nichts geht verloren. Eine Prüfkette sucht jede Tabellenzeile über ihre Fundstelle in der fertigen GEDCOM wieder. Der Rohwert jeder Zelle bleibt neben der Normalform erhalten, abweichende Schreibungen werden zu weiteren Namen.
Die Ausgabe liest Gramps, Ahnenblatt, webtrees und das Online-OFB beim Verein für Computergenealogie. Wer mit webtrees arbeitet, kann das Ergebnis direkt in wtWin weiterbearbeiten.
Regeln
famrecon arbeitet ohne künstliche Intelligenz und ohne Statistik im Hintergrund. Es gibt eine Handvoll fester Zahlen und Regeln, alle im Quelltext an einer Stelle versammelt und hier vollständig beschrieben. Was sich damit nicht ausdrücken lässt, wird nicht durch eine neue Regel erzwungen, sondern landet in der Prüfliste.
Die Einträge laufen in zeitlicher Reihenfolge durch, Taufen, Trauungen und Begräbnisse gemischt; bei gleichem Datum kommt die Trauung vor der Taufe und die Taufe vor dem Begräbnis, fehlt Monat oder Tag, zählt die Jahresmitte. So kann jeder Eintrag nur an das anknüpfen, was vorher war. Für jede genannte Person werden die bisher bekannten Personen gesucht, deren Nachname gleich klingt. Dafür bekommt jeder Nachname einen Lautschlüssel nach der Kölner Phonetik: Haag und Hag, Hanneman und Hannaman, Kiefer und Kieffer erhalten denselben Schlüssel. Vornamen werden auf eine Einheitsform gebracht, etwa Nicolaus und Nikolaus oder Hanß und Johann.
Jeder Kandidat sammelt Punkte für das, was zusammenpasst:
| Merkmal | Punkte | Erläuterung |
|---|---|---|
| Vorname gleich | 100 | nach der Einheitsform |
| Vorname teilweise gleich | 40 – 90 | Rufname vorn (Jacob = Jacob Friedrich) 90, hinten (Jacob = Johann Jacob) 80, zwei gemeinsame Namen 70; ist der gemeinsame Name nur Johann, Anna oder Maria, gibt es 60 oder 40 |
| Geburtsdatum exakt | 100 | belegte Taufe und errechnete Geburt am selben Tag |
| Geburtsjahr gleich | 50 | Geburtsjahr aus der Altersangabe im Begräbnis |
| Geburtsjahr nah | 30 | bis fünf Jahre daneben |
| genannter Vater passt | 30 | etwa der Vater im Begräbnis eines Kindes |
| genannte Mutter passt | 50 | |
| genannter Ehepartner passt | 50 | |
| Nachname buchstabengleich | 20 | nicht nur gleich klingend |
| Sterbedatum = Rückverweis | 200 | die Taufzeile vermerkt schon das Sterbedatum, das Begräbnis bestätigt es |
Ein Kandidat wird nur gewählt, wenn er genug Punkte hat und deutlich vor dem Zweitbesten liegt.
| Stellschraube | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Schwelle allgemein | 100 | darunter wird eine neue Person angelegt |
| Schwelle Begräbnis | 80 | bei Verstorbenen fehlen oft Angaben |
| Schwelle Ehepartner, Vorehe | 50 | die Ehe selbst ist schon ein starker Anker |
| Vorsprung für „sicher“ | 50 | und ein Anker über den Namen hinaus |
| Vorsprung für „wahrscheinlich“ | 30 | darunter gilt es als Gleichstand und bleibt offen |
Daraus folgt die Stufe jeder Verbindung. Sicher: außer dem Namen passt ein weiterer Anker wie Mutter, Ehepartner oder Datum, und niemand liegt nahe dahinter. Wahrscheinlich: Name und Vorname passen, kein ernsthafter Gegenkandidat. Neu: erste Nennung einer Person, oder bewusst offen gelassen. Die Stufe steht später an jeder Verbindung in der GEDCOM-Datei und im Buch.
Neben den Punkten zählt die Zeit. Jeder Kandidat muss in ein Fenster passen, sonst scheidet er aus, ganz gleich wie gut der Name stimmt:
| Fenster | Wert | Wirkung |
|---|---|---|
| Alter des Vaters bei der Taufe | 16 – 75 | außerhalb ausgeschlossen |
| Alter der Mutter bei der Taufe | 15 – 50 | außerhalb ausgeschlossen |
| Alter der Brautleute | 14 – 80 | außerhalb ausgeschlossen; zwischen 18 und 32 gibt es 10 Punkte extra, damit bei Namensvettern der 23-Jährige vor dem 39-Jährigen liegt |
| Erwachsenenrolle | ab 14 | wer jünger ist, kann nicht Vater, Mutter oder Brautperson sein; und wer schon als Erwachsener auftrat, kann nicht erst danach geboren sein |
| Geburt aus der Altersangabe | ± 1 / ± 5 Jahre | bis ein Jahr daneben 50 Punkte, bis fünf Jahre 30 Punkte, mehr als fünf Jahre ausgeschlossen |
| Lebensdauer | 0 – 100 | ein Ereignis vor der Geburt oder nach dem hundertsten Jahr ist ausgeschlossen |
| Tod vor dem Ereignis | — | wer schon begraben ist, taucht nicht mehr auf; der Vater darf bis ein Jahr nach seinem Tod genannt sein (nachgeborenes Kind) |
| Mutter tot vor der Taufe | 1 Jahr | starb die Ehefrau mehr als ein Jahr vor der Taufe, ist diese Familie ausgeschlossen |
| Trauung nach der Taufe | — | eine Ehe, die erst nach der Taufe geschlossen wurde, kommt als Elternfamilie nicht in Frage |
| Kinderspanne einer Familie | 22 Jahre | zwischen erstem und letztem Kind; mehr ist ausgeschlossen |
| Kindsbegräbnis | unter 15 | wird nur an eine Taufe gebunden, wenn ein Anker passt: Geburtsdatum, Vater oder Rückverweis |
Ein Fall ist gelockert: Werden die Eltern eines Erwachsenen genannt, etwa im Begräbnis eines alten Mannes, ist sein Geburtsjahr oft unbekannt. Dann prüft famrecon das Alter des Vaters nicht, lässt einen schon verstorbenen Vater zu und erweitert die Kinderspanne auf 37 Jahre, denn die Eltern sind zu diesem Zeitpunkt meist längst tot.
Bevor Punkte zählen, scheiden Kandidaten aus, die nach festen Regeln unmöglich sind. famrecon zählt bei jedem Lauf, wie oft jede Regel gegriffen hat.
| Regel | Bedeutung |
|---|---|
| Alter außerhalb der Rolle | Vater 16 bis 75, Mutter 15 bis 50, Brautleute 14 bis 80 Jahre beim Ereignis |
| jünger als 14 in Erwachsenenrolle | als Vater, Mutter oder Brautleute unter 14 |
| älter als 100 | über hundert Jahre alt |
| schon tot | beim Eintrag schon begraben; Ausnahme ist der Vater eines nachgeborenen Kindes |
| Geburt weicht mehr als 5 Jahre ab | errechnete Geburt aus dem Alter und belegte Taufe liegen zu weit auseinander |
| geboren nach erstem Auftreten | die Person trat schon als Erwachsener auf, bevor sie geboren sein könnte |
| Geschlecht widerspricht | Mann und Frau passen nicht zusammen |
| Vorname widerspricht | kein gemeinsamer Namensteil |
| Mutter widerspricht | die genannte Mutter passt nicht zur Ehefrau dieser Familie |
| Ehefrau vor der Taufe gestorben | sie kann nicht die Mutter sein |
| Trauung nach der Taufe | die Ehe dieser Familie wurde erst nach der Taufe geschlossen |
| Kinderspanne überschritten | zwischen erstem und letztem Kind lägen mehr als 22 Jahre |
| anderer Vater | die Person hat schon Eltern, und der genannte Vater trägt einen anderen Nachnamen |
| ist der Vater, nicht der Sohn | der Kandidat ist mit der genannten Mutter verheiratet |
| Begräbnis: ledig, Vater widerspricht | der genannte Vater eines Ledigen passt nicht zur gefundenen Familie |
| Begräbnis: verheiratet, kein Partner passt | der genannte Ehepartner passt zu keiner Ehe der Person |
| Begräbnis: Kind ohne Anker | ein Kindsbegräbnis ohne Datum oder Eltern wird nicht an eine Taufe gebunden |
Spricht ein Veto gegen einen Kandidaten, der sonst gut passt und einen Anker hat, wird er nicht verworfen, sondern der Fall bleibt offen. Eine Person, die doppelt bleibt, lässt sich später leicht zusammenführen; zwei Menschen, die fälschlich zu einem geworden sind, findet man kaum wieder.
Punkte, Schwellen und Vetos wurden an rund 2.800 echten Kirchenbucheinträgen eingestellt. Jede Änderung an einer Regel wird gegen diesen Bestand und gegen den erfundenen Falkenrath-Stammbaum gemessen, bevor sie bleibt; automatische Tests halten die Untergrenzen fest. Der vollständige Quelltext liegt offen auf GitHub.
Messung
Ob eine Rekonstitution stimmt, sieht man ihr nicht an. famrecon misst sich deshalb selbst – und die Zahlen sagen genau so viel, wie ihre Messung hergibt.
An erfundenen Daten. Aus dem erfundenen Falkenrath-Stammbaum mit 492 Personen entstehen Tauf-, Trau- und Sterberegister, famrecon rechnet sie zurück, das Ergebnis wird mit dem Original verglichen. Dabei findet es 152 von 153 Ehepaaren und ordnet 331 von 337 Kindern richtig zu. Das prüft die Mechanik; echte Kirchenbücher sind unordentlicher.
An einem echten Register. Erkennt famrecon, dass ein Begräbnis zu einer bestimmten Taufe gehört? Am Register, an dem es eingestellt wurde, rund 500 solche Paare: In 92 von 100 Fällen ist die gezogene Verbindung richtig, und von 100 tatsächlichen Paaren findet es 89. Das ist kein unabhängiger Test und sagt noch nichts über Eltern, Ehen und Kinder. Eine unabhängige Messung an einem zweiten Ort, auch für die Eltern-Zuordnung, läuft.
Beim Abgleich fanden sich auch Verbindungen, die dem von Hand geprüften Familienbuch fehlen und sich im Kirchenbuch bestätigen lassen: Auch ein geprüftes Familienbuch ist eine Lesart. Mit dem Befehl vergleiche kann jeder Autor famrecon gegen sein eigenes Familienbuch messen, bevor er ihm glaubt.
Download
Windows als Einzeldatei, macOS als Programmpaket, Linux als .deb oder Einzeldatei; mit Python 3.11 auch per pip install. Die Oberfläche läuft im Browser, aber nur auf dem eigenen Rechner: Die Daten verlassen ihn nicht. Unter Windows und macOS warnt das System einmal vor dem unbekannten Herausgeber.
Stand: in Arbeit. Die Kette vom Einlesen bis zur GEDCOM steht und ist gemessen. Was kleine Beispiele nicht zeigen, zeigen erst große echte Register – Rückmeldungen von OFB-Autoren mit eigenen Tabellen sind ausdrücklich willkommen: thomas@bgg-mail.de.